Wie Ihr merkt, hat es der Chaocipher Verschlüsselungsalgorithmus mir angetan. Mir das Modell mit den zwei Scheiben nachzubauen, wie Byrne es angedacht hatte, kam für mich jedoch nicht in Frage, weil mir die Bastelei zu mühselig und ich zu faul war. Ich wollte aber nichtsdestoweniger eine Möglichkeit haben, Chaocipher in seiner mechanischen Form auszutesten, quasi nach dem Pen-and-Paper-Prinzip.

Es gibt auch die bekannte Enigma-Maschine schon in einer Papierversion. Dort ist es aber ein wenig einfacher, weil die mechanischen Räder als Papierstreifen dargestellt werden. Bei Chaocipher müsste man, wenn man die Scheiben aus Papier macht, sie irgendwie drehbar aneinander heften, und müsste darüberhinaus die einzelnen Buchstaben daran befestigen. Schon eine Herausforderung.

(Zum Hauptartikel über Chaocipher geht es hier entlang.)

Aber ich denke, ich habe eine nicht ganz schlechte Lösung gefunden. Statt zwei Scheiben zu benutzen, verwende ich zwei Hauptringe aus Papier, die als Halter für die sechsundzwanzig Buchstaben dienen, so dass man die Permutationen durchführen kann. Wie in meinem Hauptartikel über Chaocipher beschrieben, verbessere ich die Technik auch hier dahingehend, dass ich einen weiteren beweglichen Papierring einführe, auf dem sich die Markierungen für Zenith und Nadir sowie die Positionen 1 bis 26 befinden. Mit diesem zusätzlichen Ring kann der jeweils erste Schritt der Permutationen – das Verschieben des kompletten Alphabets – einfach vollzogen werden. Doch jetzt wird erstmal gebastelt.

 

Chaocipher aus Papier

 

Vorbereitungen

Du benötigst für Chaocipher aus Papier:

  • Einen Bogen druckergeeignetes Papier (DIN A4)

  • Schere

  • scharfes Messer

  • Klebestift

Ein DIN A4 Bogen reicht für ein komplettes Chaocipher-Set, also einmal Klartextalphabet und einmal Geheimtextalphabet. Auf das Papier wird die Bastelvorlage gedruckt, die es hier zum Download gibt.

Ausschneiden

Aus dem Bogen Papier werden die 56 benötigten Elemente ausgeschnitten: Zweimal sechsundzwanzig Buchstaben, zweimal den Hauptring, zweimal den Zahlenstreifen. Die Buchstaben können einfach entlang der Umrandung ausgeschnitten werden, bei den vier langen Streifen muss die Lasche am rechten Ende jeweils auch ausgeschnitten werden.

Aufmerksame Beobachter werden gemerkt haben, dass die zwei Alphabete auf der Bastelvorlage unterschiedlich aussehen. Das dient dazu, dass man die Alphabete für Klartext und Geheimtext auseinander halten kann. Welches man wofür verwenden möchte, kann sich jeder gerne selbst aussuchen. Die beiden anderen Elemente sind jeweils identisch. Wer mag, kann sich den Hauptring jeweils mit KT oder GT markieren.

Während die Buchstaben damit schon soweit fertig sind, müssen die Streifen, die später als Hauptringe dienen sollen, eingeritzt werden. Dies geschieht am besten mittels eines scharfen Messers. Eingeritzt werden die Streifen an den gepunkteten Linien. Die sechsundzwanzig Bögen dienen später als Aufnahmen für die Buchstaben, während die parallelen Linien als Halterungen für die Zahlenstreifen dienen.

Zusammenkleben

Als erstes muss der Hauptring geklebt werden. Dazu wird der Streifen mit den eingeritzten Linien zu einem Ring gebogen und mittels der Laschen zusammengeklebt. Diese Lasche soll dabei auf der Innenseite des Ringes sein.

Als nächstes wird der Zahlenstreifen eingesetzt. Er wird so in den Hauptring eingefädelt, dass der Zahlenstreifen von den schmalen Stegen zwischen den eingeritzten Linien gehalten wird. Wenn der Zahlenstreifen überall eingefädelt ist, wird auch er mit der Lasche zu einem Ring zusammengeklebt. Jetzt sollte es möglich sein, den Zahlenring in den Halterungen mit den Fingern vorsichtig hin und her zu drehen.

Buchstaben einsetzen

Zu guter Letzt werden die einzelnen Buchstaben mit der schmaleren Seite nach unten in die eingeritzten Bögen des Hauptrings eingesetzt. Hier darauf achten, die unterschiedlichen Alphabete nicht zu durchmischen.

Nach diesem Schritt ist Chaocipher aus Papier einsatzbereit.

Ver- und Entschlüsseln

Zur Funktionsweise von Chaocipher siehe meinen Hauptartikel. Der Unterschied zwischen der Variante mit den Scheiben und meiner Variante mit den Ringen ist gering. Die Schritte des Algorithmus, in denen jeweils das gesamte Alphabet verschoben wird, können vollzogen werden, indem man den beweglichen Zahlenring in die jeweils benötigte Position verschiebt. Dann werden die Buchstaben einfach aus ihren Halterungen genommen und an den benötigten Positionen wieder eingesetzt. Die zueinander gehörigen Buchstaben des Klartext und Geheimtext findet man über ihre jeweilige Nummer auf dem Zahlenring.