Wie Ihr merkt, hat es der Chaocipher Verschlüsselungsalgorithmus mir angetan. Mir das Modell mit den zwei Scheiben nachzubauen, wie Byrne es angedacht hatte, kam für mich jedoch nicht in Frage, weil mir die Bastelei zu mühselig und ich zu faul war. Ich wollte aber nichtsdestoweniger eine Möglichkeit haben, Chaocipher in seiner mechanischen Form auszutesten, quasi nach dem Pen-and-Paper-Prinzip.

Es gibt auch die bekannte Enigma-Maschine schon in einer Papierversion. Dort ist es aber ein wenig einfacher, weil die mechanischen Räder als Papierstreifen dargestellt werden. Bei Chaocipher müsste man, wenn man die Scheiben aus Papier macht, sie irgendwie drehbar aneinander heften, und müsste darüberhinaus die einzelnen Buchstaben daran befestigen. Schon eine Herausforderung.

Im Mai 2010 erhielt das National Cryptologic Museum die Hinterlassenschaften eines gewissen John F. Byrne von seiner Familie überreicht. So wurde eines der großen Rätsel der Kryptologie endlich gelöst: Der Chaocipher-Algorithmus.

Chaocipher an sich ist nichts Neues: J. F. Byrne entwickelte sein Verschlüsselungssystem bereits im Jahre 1918. Sein Wunsch war es, ein einfach zu benutzendes aber nicht zu knackendes Verfahren zu schaffen, und er war überzeugt davon, das mit Chaocipher auch geschafft zu haben. Seine Versuche, das US Signal Corps, das für die Kommunikationssysteme der Streitkräfte verantwortlich war, von seinem Vorhaben zu überzeugen, scheiterten jedoch, denn er hielt den eigentlichen Algorithmus, der hinter Chaocipher steht, geheim. (Heute würde man das als „Security by Obscurity“ bezeichnen, denn schon Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte Auguste Kerckhoffs seine kryptologischen Prinzipien, von denen das zweite besagt, dass die Sicherheit eines Verschlüsselungsverfahrens auf der Geheimhaltung des Schlüssels beruht - und nicht auf der Geheimhaltung des Verschlüsselungsalgorithmus.)

Visuelle Kryptografie ist eine relativ neue Spielart der Verschlüsselung von Bildern oder anderem gedrucktem Material, die 1994 von Moni Naor und Adi Shamir entwickelt wurde.

In this paper we consider a new type of cryptographic scheme, which can decode concealed images without any cryptographic computations. The scheme is perfectly secure and very easy to implement. We extend it into a visual variant of the k out of n secret sharing problem, in which a dealer provides a transparency to each one of the n users; any k of them can see the image by stacking their transparencies, but any k-1 of them gain no information about it.

In Neal Stephenson's Buch Cryptonomicon beschreibt die Figur Enoch Root einem anderen Charakter namens Randy Waterhouse ein Kryptosystem mit dem Code-Namen "Pontifex" und läßt später durchblicken, daß die Schritte des Algorithmus dafür gedacht sind, mittels eines einfachen Kartenspiels durchgeführt zu werden. Diese beiden Charaktere tauschen im weiteren einige verschlüsselte Botschaften mit Hilfe dieses Systems aus. Das System wird "Solitaire" genannt (im Buch ist "Pontifex" eine Code-Bezeichnung um zunächst geheimzuhalten, daß hier ein Kartenspiel angewandt wird), und ich habe es entworfen um es Agenten zu ermöglichen, verdeckt zu kommunizieren, ohne auf elektronische Geräte angewiesen zu sein, oder verräterische Werkzeuge mit sich herumzutragen. Ein Agent könnte in eine Situation kommen, in der er keinen Zugang zu einem Computer hat, oder er könnte verfolgt werden, wenn er Hilfsmittel besitzt, die der verdeckten Kommunikation dienen. Aber ein Kartenspiel ... wem tut das schon weh?